Brenn - Kanzler & Söhne
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Brenn Lyrics
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Kanzler & Söhne machen Eins A Crossover, und auch nur das, keinen anderen Scheiß. Nur Metal und Rap. Kein Shouting, kein Gesang, kein Schnickschnack. Es ist egal, an welche Band aus den Neunzigern du gerade denkst. Vergiss das! Das hier ist Crossover 2016, so wie er sein soll, mit einem ungeahnt ausdifferenzierten Zusammenspiel aus Bass und Gitarre, das Stino-Bands sowas von zeigt, wo der Metal Hammer hängt. Dass Produzent und Crossover-Gitarren-Legende Axel „Axe“ Hilgenstöhler die Vision von Kanzler & Söhne teilt und sich dem Feinschliff der Platte angenommen hat, spricht mehr als für sich.
„Kanzler & Söhne“ – was klingt wie eine Anwaltskanzlei, ist eine Band, die einen unerbittlichen Advocatus Diaboli spielt. Harter Metal trifft auf noch härteren deutschsprachigen Rap. Musikalische Brutalität und textliche Asozialität attackieren die gute Kinderstube in einem Jeden von uns. Stellt man sich eine Mischung aus Pantera, einem frühen Bushido und Billy Talent vor, ist man schon ziemlich dicht dran an der scheußlich-emotionalen und erschreckend-durchdachten Gewaltexplosion von Kanzler & Söhne.
Wie Gitarrist Ibbi sagt, der für die Musik und auch für Teile der Texte verantwortlich ist, geht es aber nicht darum, „um jeden Preis böse oder asozial zu sein, sondern dass es eben manchmal nicht anders geht, wenn es einem wirklich schlecht geht“. Die erste Single „Lauf los“ etwa strotzt noch vor Optimismus und Kampfgeist, wenn es darin heißt: „Ich muss ein Stück von mir ablegen, ein neues drankleben, mein Leben in die Hand nehmen.“
Doch Kanzler und Söhne beschreiben auf ihrem Album vor allem den Breaking Point des Menschen, an dem der nicht mehr auszuhaltende Schmerz zu Hass und Gewalt wird. Der Song „Schmerz“ beschreibt diesen Prozess in all seiner Anstößigkeit und kompromisslosen Vulgarität. Er zeigt aber auch, dass es einfach nur scheiße weh tut, so zu sein, er zeigt, wie es sich – als immer noch menschliches Wesen – anfühlt, nicht mehr zu wissen wohin, nichts dafür zu können, und trotzdem immer der Schuldige zu sein.
Als einziger Weg aus der eigenen Haut, die ein Kerker für die Seele scheint, mutet der Griff zum Messer an. Wie weit bist du bereit zu gehen, wenn du dein Leben nicht mehr unter Kontrolle hast, wenn die Person in deinem Körper nicht mehr du selbst bist? Der Song „Haut“ zieht die brutale und surreale Konsequenz daraus, wenn Schuldgefühle und Selbsthass einen von innen heraus auffressen.
Unter diesen Voraussetzungen dauert es nicht mehr lang und aus dem fiebrigen Wunsch, sich selbst aus dem Weg zu räumen, wird ein asozialer, aber spaßiger Trieb Andere aus dem Weg zu räumen („Durch die Wände“), eine unersättliche Gier nach Dingen, die das schwarze Loch in der Seele stopfen sollen, eine fast schon Freude bereitende Ignoranz gegenüber jeglichen Belangen anderer, ein kaltblütiger Ficktrieb für kurzfristige Befriedigung und eine logisch folgende Gewalt gegen sich selbst und andere, die einen selbst anekeln mag, die einem gleichzeitig aber auch zeigt, dass man noch am Leben ist und somit was zu feiern hat.
Das Perfide und auch das Geniale an dieser Platte ist, dass sie alles andere als traurig ist. Die Songs sind tanzbar und fordern die Hörer – natürlich ebenso wie die Hörerinnen – heraus, mit dieser unterhaltsamen Horrorvision ihren Spaß zu haben. Klar, das ist ein Tanz auf dem Vulkan, und der Vulkan brodelt heftig, aber mal ehrlich, alles andere ist doch nur Bewegung zu Musik. Das hier ist Nervenkitzel, Reibung und Freidrehen.
Für diesen ungewöhnlichen Mix, der jedoch eine starke Sogwirkung entfaltet, bedient sich die Band wie in einem Comic des Stilmittels der Übertreibung. Wenn du glaubst, asozialer geht es nicht, tun sich trotzdem weitere menschliche Abgründe auf. Auf die Spitze getrieben wird die comichafte Übetreibung durch die Masken der Bandmitglieder, die verschiedene Charaktereigenschaften des Protagonisten widerspiegeln. Rapper „Vadder“ ist ein cholerischer, muskulöser Gewaltfanatiker, Drummer „Spike“ ist ein depressives, aber geldgeiles Genie, Basser „Börger“ ist ein auf alles scheißender Teilzeit-Krimineller und Gitarrist „Ibbi“ ist der hysterische, dauergeile Mastermind hinter der Combo.
Nur die Masken erlauben es der Band diesen Film zu fahren, dieses actiongeladene, markerschütternde und manchmal auch absurd-amüsante Drama. Wie Rapper Vadder betont, würde es nicht funktionieren, zum Beispiel so über das Prügeln zu reden, wenn man als Subjekt, als Mensch wahrgenommen würde. Es erleichtert die Sache, wenn man sich selbst zu einem Objekt macht. Die Masken helfen also, die Musik und den Text in den Vordergrund zu stellen und die Subjekte, die sie machen, zu verschleiern. Für den Grad an Fiesheit in der Musik gäbe es außerdem wohl keinen Menschen, der hässlich genug wäre, um das glaubhaft zu transportieren.
Kanzler & Söhne sehen ihre Musik auch als Kampfansage an alle Spasti-Bands, die irgendwie frech sein wollen, aber Angst haben, den Mittelfinger zu zeigen. So richtig auf den Pisser gehen ihnen Bands, die die Leute da lassen, wo sie sind. Die Feindbilder entstammen dem Schunkel-Mainstream, wo alle Schulter an Schulter sitzen und sich von heiler Welt berieseln lassen: Unheilig, Andreas Bouranyi, Sportfreunde Stiller und viele viele mehr. Kanzler & Söhne machen Musik für Leute, die Bock auf Action haben, die Musik als ein Ventil sehen, auch mal asozial sein zu dürfen, die aber auch wissen, wie man aus Wut etwas Positives ziehen kann. Kanzler und Söhne repräsentieren die verlorenen Seelen auf der falschen Seite der Glücklichkeit und zeigen uns mit teuflischer Boshaftigkeit, dass diese eigentlich auch nichts weiter wollen, als glücklich zu sein. Read more on Last.fm. User-contributed text is available under the Creative Commons By-SA License; additional terms may apply.
„Kanzler & Söhne“ – was klingt wie eine Anwaltskanzlei, ist eine Band, die einen unerbittlichen Advocatus Diaboli spielt. Harter Metal trifft auf noch härteren deutschsprachigen Rap. Musikalische Brutalität und textliche Asozialität attackieren die gute Kinderstube in einem Jeden von uns. Stellt man sich eine Mischung aus Pantera, einem frühen Bushido und Billy Talent vor, ist man schon ziemlich dicht dran an der scheußlich-emotionalen und erschreckend-durchdachten Gewaltexplosion von Kanzler & Söhne.
Wie Gitarrist Ibbi sagt, der für die Musik und auch für Teile der Texte verantwortlich ist, geht es aber nicht darum, „um jeden Preis böse oder asozial zu sein, sondern dass es eben manchmal nicht anders geht, wenn es einem wirklich schlecht geht“. Die erste Single „Lauf los“ etwa strotzt noch vor Optimismus und Kampfgeist, wenn es darin heißt: „Ich muss ein Stück von mir ablegen, ein neues drankleben, mein Leben in die Hand nehmen.“
Doch Kanzler und Söhne beschreiben auf ihrem Album vor allem den Breaking Point des Menschen, an dem der nicht mehr auszuhaltende Schmerz zu Hass und Gewalt wird. Der Song „Schmerz“ beschreibt diesen Prozess in all seiner Anstößigkeit und kompromisslosen Vulgarität. Er zeigt aber auch, dass es einfach nur scheiße weh tut, so zu sein, er zeigt, wie es sich – als immer noch menschliches Wesen – anfühlt, nicht mehr zu wissen wohin, nichts dafür zu können, und trotzdem immer der Schuldige zu sein.
Als einziger Weg aus der eigenen Haut, die ein Kerker für die Seele scheint, mutet der Griff zum Messer an. Wie weit bist du bereit zu gehen, wenn du dein Leben nicht mehr unter Kontrolle hast, wenn die Person in deinem Körper nicht mehr du selbst bist? Der Song „Haut“ zieht die brutale und surreale Konsequenz daraus, wenn Schuldgefühle und Selbsthass einen von innen heraus auffressen.
Unter diesen Voraussetzungen dauert es nicht mehr lang und aus dem fiebrigen Wunsch, sich selbst aus dem Weg zu räumen, wird ein asozialer, aber spaßiger Trieb Andere aus dem Weg zu räumen („Durch die Wände“), eine unersättliche Gier nach Dingen, die das schwarze Loch in der Seele stopfen sollen, eine fast schon Freude bereitende Ignoranz gegenüber jeglichen Belangen anderer, ein kaltblütiger Ficktrieb für kurzfristige Befriedigung und eine logisch folgende Gewalt gegen sich selbst und andere, die einen selbst anekeln mag, die einem gleichzeitig aber auch zeigt, dass man noch am Leben ist und somit was zu feiern hat.
Das Perfide und auch das Geniale an dieser Platte ist, dass sie alles andere als traurig ist. Die Songs sind tanzbar und fordern die Hörer – natürlich ebenso wie die Hörerinnen – heraus, mit dieser unterhaltsamen Horrorvision ihren Spaß zu haben. Klar, das ist ein Tanz auf dem Vulkan, und der Vulkan brodelt heftig, aber mal ehrlich, alles andere ist doch nur Bewegung zu Musik. Das hier ist Nervenkitzel, Reibung und Freidrehen.
Für diesen ungewöhnlichen Mix, der jedoch eine starke Sogwirkung entfaltet, bedient sich die Band wie in einem Comic des Stilmittels der Übertreibung. Wenn du glaubst, asozialer geht es nicht, tun sich trotzdem weitere menschliche Abgründe auf. Auf die Spitze getrieben wird die comichafte Übetreibung durch die Masken der Bandmitglieder, die verschiedene Charaktereigenschaften des Protagonisten widerspiegeln. Rapper „Vadder“ ist ein cholerischer, muskulöser Gewaltfanatiker, Drummer „Spike“ ist ein depressives, aber geldgeiles Genie, Basser „Börger“ ist ein auf alles scheißender Teilzeit-Krimineller und Gitarrist „Ibbi“ ist der hysterische, dauergeile Mastermind hinter der Combo.
Nur die Masken erlauben es der Band diesen Film zu fahren, dieses actiongeladene, markerschütternde und manchmal auch absurd-amüsante Drama. Wie Rapper Vadder betont, würde es nicht funktionieren, zum Beispiel so über das Prügeln zu reden, wenn man als Subjekt, als Mensch wahrgenommen würde. Es erleichtert die Sache, wenn man sich selbst zu einem Objekt macht. Die Masken helfen also, die Musik und den Text in den Vordergrund zu stellen und die Subjekte, die sie machen, zu verschleiern. Für den Grad an Fiesheit in der Musik gäbe es außerdem wohl keinen Menschen, der hässlich genug wäre, um das glaubhaft zu transportieren.
Kanzler & Söhne sehen ihre Musik auch als Kampfansage an alle Spasti-Bands, die irgendwie frech sein wollen, aber Angst haben, den Mittelfinger zu zeigen. So richtig auf den Pisser gehen ihnen Bands, die die Leute da lassen, wo sie sind. Die Feindbilder entstammen dem Schunkel-Mainstream, wo alle Schulter an Schulter sitzen und sich von heiler Welt berieseln lassen: Unheilig, Andreas Bouranyi, Sportfreunde Stiller und viele viele mehr. Kanzler & Söhne machen Musik für Leute, die Bock auf Action haben, die Musik als ein Ventil sehen, auch mal asozial sein zu dürfen, die aber auch wissen, wie man aus Wut etwas Positives ziehen kann. Kanzler und Söhne repräsentieren die verlorenen Seelen auf der falschen Seite der Glücklichkeit und zeigen uns mit teuflischer Boshaftigkeit, dass diese eigentlich auch nichts weiter wollen, als glücklich zu sein. Read more on Last.fm. User-contributed text is available under the Creative Commons By-SA License; additional terms may apply.

